Wenn nicht immer nur…

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Hitzeschlacht in den Tropen
(c) J. Andres Vargas

diese lange Reise mit dem ewigen Sitzen im Flugzeug wäre! Schon auf dem kurzen Flug von München nach Amsterdam kribbeln die Beine (geht das nur mir so???) und ich rutsche unruhig auf dem Sitz hin und her. Arrhg! Über 11h werden wir dann über den Atlantik brauchen – wie soll das nur werden bzw. wie oft muss ich da im Flieger durch die Gänge kreiseln? Naja Essen und Fernsehen –  zum Glück gabs ein paar gute Action Filme beim Inflight Service 😉
Nach 27h Reise, dutzenden Snacks und einem extrem klimatisierten Flug (brrr, wie bei uns vor der Haustüre) war es dann in San Jose so weit, dass ich auf kurz/kurz umstellen konnte – nur noch T-Shirt und Shorts für die nächsten zwei Wochen!

Meet & Greet

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Freunde und Konkurrenz zugleich!

Glücklicherweise hatte sich meine Schwester zwei Wochen zuvor dazu entschlossen mich zu begleiten (also das Zelt aufzubauen 😉 und jetzt traf ich sie wie verabredet im Hotel, wo auch alle anderen Läufer einquartiert waren, äußerst leicht am Outfit zu erkennen. Insgesamt wollten ca. 130 Teilnehmer aus über 18 Ländern die 10. Auflage der „The Coastal Challenge“ bezwingen bzw. die Dschungelprüfungen bestehen. Obwohl ich nur meine Salomon Teamkameradin Julia Böttger, den britischen Reporter Ian Corless und einige wenige andere Gesichter gekannt habe, fühlt man sich sofort wohl und der gemeinsame Gesprächsstoff geht einem ja auch nicht aus. Der amerikanische Favourit  Mike Wardian ist ein Spaßvogel und bereits bei dem kurzen Briefing inkl. Feuer-Jongleur-Live-Show mussten fast alle wegen seinen Witzen lachen. Da morgens schon um 4:00 mit dem Bus zu Start an die Pazifikküste gefahren werden sollte, verschwanden alle ziemlich schnell im Bett.

Es geht los!

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(Noch) relaxen am Pool in San Jose

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Mitten im “ewigen Grün”

 

 

 

 

 

 

 

Puh, so was hatte ich zuvor auch noch nicht gehabt bei einem Rennen: 3,5h Busfahrt und dann noch 3km Fußmarsch bis zur Startlinie direkt am Strand. Aber was für eine klimatische Veränderung – überall tropische Pflanzen, riesige Palmenwälder, feucht-warme Luft und (noch) seltsame Tiere. Ich glaube mein Körper muss sich in einen schockartigen Lähmungszustand befunden haben als wir nach etlichen Verspätungen („spanische Zeit“) ca. um 9:30 Uhr starteten. 40°C im Schatten, schnelles Laufen auf einer ewigen geraden Forststraße im schnellen Tempo. Puh, zwar war mir schon klar, dass die Umstellung von Schnee auf Tropisch hart werden wird, aber in meinem jungen Alter und in meinem ausgezeichneten Fitnesszustand?!?! „Philipp, du arroganter Depp!“ Wie Watsche bekam ich dann nach 15 von 36km – das erste Mal im Flachen gehen (!). „Bohhah, ist das heiß!“ Schon hatte ich einen Sonnenbrand und wollte mich am liebsten in den Straßengraben legen. „Auf einer Forststraße fahre ich mit dem Fahrrad aber da laufe ich KEINENFALLS! Wegen so was bin ich doch nicht extra hergekommen – lächerlich. Wenn das so weitergeht überlebe ich diese Challenge NICHT!“

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Die letzte Etappe am Drake Beach

Aber irgendwie konnte ich mich dann doch über die nächsten beiden Checkpoints schleppen und die leckeren Annas und Wassermelonen retteten mir das Leben (wie auch in den nächsten Tagen). Ach tat das Wasserbecken im Camp gut! Und diese Lodge im Regenwald lies die Qualen (= extrem krampfenden Beine, Krebsröte, Nasenbluten und innere „Dürre“) recht schnell vergessen… und die Platzierung auch!

Endlich…

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Ab und an eine kühlende Flussquerung

…ein Trail, der seines Namens würdig ist. Schon nach wenigen Metern ging es an nächsten Tag diesmal um 5:30 Uhr steil einen schmalen Pfad umgeben von Schlingpflanzen und im riesigen Blätterdach bergauf. Zwar konnte man sein eigenes Schnaufen wegen des hohen Lärmpegels (Brüllaffen, Insekten, Kreischvögel) kaum hören aber das Geläuf war genau mein Element – herrlich! Sofort war die Kraft wieder da und ich beschloss es einfach mal zu versuchen und mich von der 5-Köpfigen Spitzengruppe abzusetzen. Der Mike ist ein schneller Flach- und Marathonläufer hat aber im technischen Geläuf nix zu sagen. Dafür ist der Martin, Anna Forsts Freund, da umso besser! Leider hatte sich der Portugiese Carlos Sa am Vortag verlaufen indem er einfach den Markierungen für die nächste Etappe gefolgt war und hatte 20km extra in den Beinen. Nick Clark aus den UK konnte ich nicht so recht einschätzen und der Spanier Vincente Gracias war überall bärenstark. Ob ich also noch eingeholt werden würde – Flucht nach vorne?!?!?
Auf der 7km laaaaaaangen „Zielgerade“ am Standstand war es dann so weit – Mike tauchte direkt hinter mir auf. Jetzt noch einmal alles geben: Einmal Etappensieger ist besser als NIX auch wenn es sich dann morgen rächen wird!

Camplife

Das Leben in unserem Zeltlager verlief die ganzen 6 Etappen fast immer gleich:

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Trocknen bei 100% Luftfeuchtigkeit???

3:30 Uhr Aufstehen und im Stirnlampenlicht das Zelt einpacken
4:00 Uhr Frühstück (Reis mit Bohnen, Pancakes, Rühreier, Peanutbutter,…)
5:00 Uhr Taschen abgeben (und schon wieder was im Dryback ganz unten vergessen)
5:30 Uhr Start im Morgengrauen
ca. 10:30 Uhr Zielankunft (je nach Lauftempo ;-))
10:31 1. Kalte Dusche im voller Rennmontur (es werden noch viele weiter folgen J)
11:00 Uhr Zeltaufbauen + Sachen ordnen (Puh, immer diese Herumräumerei!)
12:00 Uhr Mittagessen (Salate, Reis mit verschiedenen köstlichen Soßen, Hühnchen,…)
14:00 Uhr meistens kläglicher Versuch Fotos ins FB hochzuladen (Arrrgh, immer dieses WiFi)
15:00 Uhr Massage (Danke Hanna!!!) + Stretching + Chillen
18:00 Uhr Abendessen (lokale Spezialitäten, immer leicht verdaulich und super lecker, göttliche tropische Früchte)
18:30 Uhr kurzes Briefing für den nächsten Tag
19:00 Uhr Schlafen (naja, eher sich schwitzend von einer Seite auf die andere drehen)

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Rafiki Lodge als Camp 1

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Super Küchenteam!

 

 

 

 

 

 

Lustigerweise machte das frühe Aufstehen wegen der „Kühle“ in der Früh (29°C) uns Europäern gar nicht so viel aus, da das wegen der Zeitumstellung gar nicht so von dem eigenen Schlafrhythmus abweicht. Neben den Läufern des „Adventure-Races“, die täglich nur das letzte Drittel der Etappe machten, gab es ähnlich wie beim Transalpine oder den 4-Trails viele Genussläufer! Ein herzliches Dank auch an alle Helfer vom Staff – ein super nettes, ständig hilfsbereites Team, das sich um alle Belange kümmert!

Adaptation

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Erfrischung gefällig?

Mir kam es fast so vor, dass mit jeder weiteren Etappe auch die Trail besser wurden – dichterer Regenwald, schmälere Pfade, mehr auf und ab. Dabei ist man zwangsweise so konzentriert, dass die Zeit und auch die Km nur so verfliegen! Auf jeden Fall hat sich mein Körper ziemlich schnell angepasst und das Laufen fiel schon am 3. Tag deutlich leichter, auch weil man lernt sich in jedes noch so kleines Bächlein zu legen und mindestens  alle 10min Trinkt.
Immer öfters lief ich mit dem Mike voraus und das 12km lange Standstück zusammen mit ihm werde ich wohl nicht so schnell vergessen. Alle Sonnenbader haben sich zu uns gedreht und gewundert warum so ein langhaariger, schwitzender Typ immer nach „Agua, Coca!“ schreit. Wahrscheinlich meinten sie, dass der das verkaufen will. Durch das feuchte Klima und die vielen Flussdurchquerungen musste auch ich die Hilfe des „Medical- und Footcare-Teams“ in Anspruch nehmen was mich ziemlich sicher von wunden Füßen bewahrt hat.

Dangerous wildlife?

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Herrlich – ein riesiger natürlicher Pool 🙂

Zum GLÜCK habe ich keine Schlangen gesehen! Brrr, ich weis nicht was bei einer Anaconda mit mir passiert wäre… Zwar wurden etliche Pagageien, Krokodile, Affen, Leguane und verschiedene andere Echsen gesichtet, aber es gab keine gefährlichen Kontakte. Scheinbar soll auch ein Panter (oder gar ein Jaguar) dabei gewesen sein, aber ob das nicht der Wassermangel in einem Läuferhirn war?!?!

“Let’s Tour de France it!”

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Beachrunning

Bei der letzten Etappe, einem kurzen 23km-Rundkurs direkt mit Start/Ziel am Camp, entschieden wir (d.i. die Spitzengruppe) uns gemeinsam zu laufen, das das Podium mittlerweile recht gefestigt war (1. Mike, 2. Vincente, 3. Ich) und sich kaum mehr was ändern würde. Diese Runde war vom Terrain sozusagen noch einmal eine Zusammenfassung aller bisherigen Etappen und beinhaltete alle Highlights: Flussdurchqartung für 2km, Wasserfallquerung, kleine Matschtrails, die notwendige Forststraße und zum Abschluss 10km auf schmalen Schmugglerpfaden am Meer entalng, die immer wieder durch einsamste Buchten mit weißem Sandstrand unterbrochen waren. HERRLICH! Die 6 Etappen mit insgesamt über 10.000m+ und 225km waren geschafft.

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Chill out

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Let’s try out surfing!

Leider galt es dann auch wieder Abschied zu nehmen und wie schon so oft beobachtet schweißen die intensiven Erlebnisse so stark zusammen, dass das GOODBYE dann wirklich schwer fällt. Aber zum Glück kann man durch die sozialen Medien recht gut in Kontakt bleiben und ich bin mir sicher den ein oder anderen wieder auf einer anderen „Challenge“ zu treffen 🙂
Zur Regeneration haben meine Schwester und ich uns dann noch ein paar Tage am Dominical Beach mit mehr oder weniger kleinem Erfolg im Surfen versucht – wahrlich ein Balanceakt!

Mehr Fotos und jeweils einen kurzen Bericht findet unter diesen Links:

San Jose: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.673692632683005.1073741861.491663654219238
1. Etappe: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.674218539297081.1073741863.491663654219238
2. Etappe: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.674846699234265.1073741864.491663654219238
3. Etappe: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.675398055845796.1073741868.491663654219238
4. Etappe: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.676087689110166.1073741874.491663654219238
5. Etappe: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.676497012402567.1073741875.491663654219238
6. Etappe: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.676914629027472.1073741876.491663654219238

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Auf ein WIEDERsehen Costa Rica!