Zauberlehrling erzählt

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ZUT – Ziemlich Unglaublich Lang

Trailrunning25. Juni 2013 um 0:01

Auf nach Grainau

ZUT

Was für ein Gefühl!
(c)Lars Schneider-Kelvin Trautman-Klaus Fengler

Es ist schon wieder Mitte Juni und die Sommersonnwende steht bevor (man darf gar nicht daran denken, dass die Tage nun wieder kürzer werden :?). Das ist jetzt schon das dritte Jahr in Folge, dass genau dann der ZUT in Grainau stattfindet. Einmal rund um das Zugspitzmassiv klingt weit – ist es auch! Schon zweimal durfte ich als erster auf dem “kurzen” Supertrail (69km) als erster die Ziellinie überqueren. Soll ich versuchen meinen eigenen Rekord noch einmal zu schlagen?

 

 

ZUT

Grandiose Stimmung im Musikpavillon

Nein, lieber eine neuere Herausforderung und zum ersten Mal die magische 100km-Marke knacken. Zwar liegt mir die im Vergleich zu meinen Trainingsläufen in den Bergen doch relativ flache Strecke nicht so sehr, aber einen ganzen Gebirgsstock zu Umrunden hat schon etwas besonderes – ich zumindest versuche bei meinen Läufen später auf Movescount immer einen schönen Kreis auf der Karte zu sehen ;-) Immerhin sind es aber durchschnittlich 54,3 Meter Bergauf und Bergab pro Kilometer!

 

Dreistellig…

ZUT

Papa und Schwester beim Black Diamond Nightsprint
(c)Lars Schneider-Kelvin Trautman-Klaus Fengler

…mit dem Radl zu fahren ist ja immer schon weit, aber dann zu Fuß laufen ???
Der Freitag vergeht im Flug – noch schnell Rasenmähen bei der Oma die im Krankenhaus liegt, alles zusammenpacken (ja nicht zu viel, weil man muss ja schließlich wieder auspacken!), wie immer zu spät daheim weggefahren, ein bisschen Zeit im Stau verloren (Arrrgh, immer diese langsammen XXX!) und dann endlich um 18 Uhr in Grainau angekommen. Aber all die netten Leute und bekannten Gesichter lassen die Aufregung auf den kommenden Tag ziemlich schnell vergessen und die großartige Stimmung genießen. Ein ganz großer Dank an Plan B für die gigantische Organisation – perfekt wie immer!
Da ich diesmal außerdem das Glück habe von der Familie begleitet zu werden (ja, ich habe meine eigenen Cheerleader mitgebracht ;-)) haben wir uns vorsichtigerweise gleich ein Appartement genommen. Also da könnte ich es auf jeden Fall länger aushalten…! Nach “Pasta a’la Mama Speciale” (das ist ein uraltes Geheimrezept, dass nur von Mama an die Tochter weitergegeben wird oder so ähnlich) und der mittlerweile traditionellen Schuhübergabe durch den Gripmaster kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen – trotzdem habe ich schon im Bett gefühlte 200 Puls: Was ist wenn …?

 

Der Startschuss fällt

ZUT

(Nur scheinbar) Entspannt am Start
(c)Lars Schneider-Kelvin Trautman-Klaus Fengler

Und sofort fällt alle Anspannung ab. Einfach nur einen Fuß vor den anderen setzten – ich doch ganz einfach! Meine Taktik ist einfach mein eigenes Ding zu Laufen und keinesfalls zu schnell zu starten – das rächt sich sonst gnadenlos! Nach und nach werden die Verfolger weniger und ich bin immer noch an der Spitze mit dem Dippi und einem Neuseeländer. Letzterer läuft so locker und kann selbst in den steilen Anstiegen so gemütlich Ratschen, dass ich mir sicher bin, dass der zuerst wieder im Musikpavillon einlaufen wird. Die Konversation verläuft recht einseitig, da ich schon aus allen Löchern pfeife und ja auch noch alles zuerst auf Englisch translaten muss. Aber der Vajin ist echt ein netter Kerl und ich hoffe möglichst lange mit ihm unterwegs sein zu können – alleine zieht sich das Ganze ja noch vieeeel mehr!

 

Noch 70!

ZUT

Schneidig unterwegs mit dem netten Kiwi
(c)Lars Schneider-Kelvin Trautman-Klaus Fengler

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen bei den Distanz-Schildern auf gar KEINEN Fall zu rechnen anzufangen, aber bei der Strecke ist die Prozentangabe ja nicht besonders schwer zu ermitteln! Puhhh, think positiv! Als das irgendwie nicht funktioniert und die Zahlen nur so in meinem Kopf herumschwirren, beschließe ich jetzt schon meine Notfall-Musik auszupacken. Eigentlich finde ich es ziemlich unkameradschaftlich sich mit so Plastikstöpseln von der Außenwelt abzuschotten (tut mir Leid für alle, denen ich nicht auf ihre Motivationsrufe geantwortet habe), aber der Vajin ist hinter mir schon im Nebel verschwunden, da er die Schneefelder und die steilen Anstiege ohne Stöcke nicht gewohnt ist. Als plötzlich die Sonne durchbricht und ich genau den richtigen Song erwische, bekomme ich eine Gänsehaut und singe mit (aus Gründen der Seriosität kann ich den Titel leider nicht sagen ;-)

 

 

Ultra-Runners-Flow

ZUT

Grandiose Bergwelt
(c)Lars Schneider-Kelvin Trautman-Klaus Fengler

Das Hochgefühl hält leider für einen Ultrarun viel zu kurz an, nämlich genau bis zum nächsten Anstieg. Ob es so positiv ist sich an jeden Buckel der Supertrail-Strecke, auf der ich mich mittlerweile befinde, zu erinnern, weiß ich nicht. Am Scharnitzjoch (2048m) treffe ich auf die ersten “Kurzstreckler” (was wohl der DLV über die Bezeichnung sagen würde?). Neben der ziemlich schnell einsetzenden “Ich-kann-nicht-mehr-Gefühl” tritt jetzt allerdings ein weiteres Problem auf: Irgendwie scheinen mich viele Läufer doch zu kennen und feuern mich unglaublich gut an – ich muss quasi immer in Bilderbuchform laufen und habe gar keine Chance Müdigkeit zu zeigen. Danke an alle Motivatoren, die sofort auf die Seite gesprungen sind!

 

Ein Himmelreich…

ZUT

Das war leider erst am nächsten Tag…

… für ein Mountainbike auf den knapp 25km vom Hubertushof bis zum Abstieg zum Reintal. Vor diesem Teilstück habe ich immer noch am meisten Angst – da muss man nämlich wirklich laufen und hat gar keine Chance rumzutrödeln. Zu gerne hätte ich meinen Papa, der netterweise mit dem Radl nebenher gefahren ist und sich alle meine blumenreichen Leidenskommentare angehört hat, von Zweirad geworfen nur um ein paar Meter zu strampeln. Aber als bei V7 die Information bekam, dass mein Neuseeländer nur 5 min hinter mir ist und immer noch lächelt, wusste ich, dass ich nochmal Gas geben muss.

 

Im (dunkel)roten Drehzahlbereich

ZUT

Manchmal ist der Nebel auch gar nicht so schlecht…
(c)Lars Schneider-Kelvin Trautman-Klaus Fengler

Der Motor war schon auf Höchsttouren und als ich ENDLICH bei der Abzweigung Reintal war (tut mir Leid Mama und Schwesterlein, dass ihr zwei Stunden dort gewartet habt und ich dann in 30sec durch die Station gelaufen bin) habe mich darauf gefreut endlich ein bisschen gehen zu können. Von wegen “der Vajin muss da sicher auch gehen” – der Abstand wurde noch einmal kleiner und die Serpentinen auf den Osterfelder nahmen einfach kein Ende. Die frierende Tante Brigitte reichte mir an der V9 noch einmal ein Cola aber das tat gar nicht mehr an – nur noch bis zu der blöden Bahnstation hinauf. Ob die merken, wenn ich die Schleife einfach auslasse, mich eine halbe Stunde im Wald verstecke und gleich den Jägersteig runterlaufe???

 

 Finale, ohhoho!

ZUT

Geschafft!
(c)Lars Schneider-Kelvin Trautman-Klaus Fengler

Irgendwie habe ich es dann doch noch geschafft nicht überholt zu werden und an der Schwelle zum finalen Abstieg lief es mir dann wieder eiskalt über den Buckel: “Wenn du jetzt nicht ALLES gibst, dann wären die letzten 90km in erster Position ja umsonst gewesen. Also, gib OIS!!!” Nur fliegen ist schöner und im Sauseschritt ging es bergab – immerhin das 5te mal auf diesem Weg in einem Wettkampf! Die letzten zwei Kilometer begleitete mich dann noch mein Spezl Martin, der den Basetrail gelaufen ist, auf dem Radl. Was für ein grandioses Gefühl das Banner unter dem Zielbogen aufheben zu können – ein Traum! Dafür gibt es keine Worte, tut mir Leid.

 

Aktive Regeneration

ZUT

Ich liebe Pizza!

Auf die Käsepizza, die vielen Kuchen und die Sprudelgetränke habe ich mich 11 Stunden lang gefreut! Allerdings hätte ich das fast verpasst, weil ich in der Badewanne eingeschlafen bin ;-) Jetzt ist mein Bericht ganz schön lange geworden, aber der Lauf war es ja auch…

Gratulation an alle Finisher!

Hier gibt’s die kompletten Ergebnisse von allen drei Strecken.

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