Eigentlich…

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Palmen = Sommer!

Eigentlich ist der (Pulver-)Schnee bei uns zu Hause viel zu schön um wegzufahren, aber so ein Ultra-Trail-Race auf den Kanarischen Inseln Anfang März hat auch seinen Reiz und vor allem kommt man so gleich zu einem Saison(re)start. Allerdings war es mehr ein Sprung in arktisches Eiswasser, da die TransGranCanaria Advanced Strecke (83km, 4000Hm) mehr Kilometer hatte als ich heuer bisher gelaufen bin.

Eiskalt erwischt

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Irgendwie doch kälter…

So ging es direkt nach dem Indoor Trail in Dortmund nach Gran Canaria, wo ich netterweise von den beiden netten Damen von der Organisation zusammen mit einigen andern Läufern von Flughafen abgeholt und hinauf nach Garanion geshuttelt wurde. Dieser Ort liegt auf ca. 1700m und ist Startpunkt für den Marathon, Halbdistanz für meine Strecke und 3/4-Marke für die längste Distanz (119km). Camping bei -1°C, schlafen in der Daunenjacke (die hatte ich zum Glück noch von Dortmunbd im Koffer!), Essensausgabe mit pubertierenden Jugendlichen wie aus der TV-Serie „Die strengsten Eltern der Welt“, weder Heizung und Strom – so hatte ich mir meine Ferien im Warmen nicht vorgestellt.

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“Can you see Teide?”

Kleiner Trost was allerdings die wunderschöne Umgebung und das super Laufgebiet dort – vom höchsten Punkt der Insel haben wir sogar den Teide auf Teneriffa gesehen!

 

Tag und/oder Nacht

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Viel besser!

Wenn man jedoch schon nach einer Nacht mit Husten und Schnupfen aufwacht, dann ist das wahrlich nicht die beste Rennvorbereitung und so konnten Ryan Sandes, Julia Bötter, Ian Corless und ich in eine andere Herberge in den Süden umziehen. Wir staunten nicht schlecht, als wir den riesigen 5-Sterne-Hotelkomplex der H10-Gruppe betraten und jeder den Schlüssel für eine Junior Suite überreicht bekamen, Champagner und Obstkorb inklusive.Mit seiner Filmpräsentation für die Hotelgäste verdiente Ryan quasi für uns das gigantische Abendbuffet (ich liebe Buffet ;-)) mit und bescherte uns zwei ziemlich entspannte Tage – die anderen am Stand und Pool und ich ich hauseigenen Fitnessraum 🙂 Den Altersdurchschnitt senkten wir im Übrigen um gefühlte 10 Jahre…

 

Schon wieder umziehen

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Fotosession mit Ian Corless
(c) Ian Corless

Am Donnerstag Vormittag hieß es dann mal wieder den Koffer packen, die Insel von Süd nach Nord zu durchqueren (an dem Tag noch mit dem Auto) und in Las Palmas Quartier beziehen. Eigentlich wollte ich ja möglichst viel im Warmen auf den Inseltrails rumrennen und satt Höhenmeter machen, aber entlang der Standpromenade mitten durch unzählige Touristen mitten in Hauptstadt-Downtown fiel das leider komplett aus. Ok, dafür eher „kulinarische Wanderungen“ zu den Eisdielen und Pizza-Ständen am Strand. Da muss man wohl ein bisschen flexibel sein und außerdem sollte ich ja eigentlich auch meine Haxn stillhalten für das Rennen…Das „who is who“ der Trailrunning- und Ultrarunning Szene stellte sich am Abend noch den Fragen der Journalisten im Zielbereich und dem Jubel von vielen spanischen Zuschauern. Wie wird das dann wohl beim Zieleinlauf sein???

 

Challenging

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Flucht aus Las Palmas

Es ist schon verrückt wenn man um 3 Uhr Aufsteht, sich die Wettkampfsachen überzieht, mal wieder die 3 km vom Hotel zum Zielbereich marschiert (wohl wissend, dass das nur 1/30 der heutigen Distanz sein wird), viele „Partyleichen“ am Stand sieht und dann mit einigen andern „Corredores“ in den Bus nach Agaete einsteigt. Um 6 Uhr ging es dann unter dem Jubel von zahlreichen Frühaufstehern sofort in den ersten Anstieg (1300Hm, 9km). Da es den meisten Spaniern um diese Jahreszeit zu kalt ist, kam ich mir zuerst vor also ob ich bei einem Snow-Trail-Rennen mitmache – lange Hosen, Sturmhauben, Buffs bis unter die Augen gezogen, Handschuhe,…

 

Up and Downs

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Nicht mehr ganz so frisch – zum Glück nur noch 5 km bis ins Ziel!
(c) TNF Transgrancanaria

Mein Motivations- und Gemütszustand (also wie es mir gegangen ist ;-)) waren der Strecke angepasst – auf und nieder, immer wieder! Vor allem die langen Downhills waren extrem hart, da ich einfach seit Herbst letzten Jahres kaum Bergabgelaufen bin.Noch im Dunklen in Agaete im Mondlicht gestartet, zogen zunehmend Wolken auf und es begann leicht zu Regnen. Am höchsten Punkt des Rennens (Roque Nebulo) hatten wir dann orkanartige Windböen mit Spitzengeschwindigkeiten von 80km/h und der Regen schwemmte uns fast aus dem Trail. Im langen Abstieg nach Teror dann verzogen sich die Wolken wieder, die Sonne brannte herunter und im ausgewaschenen Flußbett wurden wir fast gekocht – Sonnenbrand inklusive.

Geschafft

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Juhuuuuuu!
(c) TNF Transgrancanaria

Sehr lange liefen wir zusammen in einer Vierergruppe und wechselten uns in der Führung ab, jeder wollte ja mal zeigen, was er so drauf hatte 😉 Erst ab der Streckenhälfte in Garanion konnte ich sogar meinen Salomon Teampartner Ryan überholen und war somit Erster, wenn auch nur für eine glückliche ½ Stunde – Wahnsinn! Da der Veranstalter auch eine Marathon- und Starter-Distanz (24km) anbietet, wobei die fast 1000 Teilnehmer genau auf unserer Strecke gelaufen sind, waren immer genug Motivatoren unterwegs – und die heißblütigen Spanier können das wirklich! Schlussendlich brauchte ich knapp unter 8:30 Stunden für die 83km und 4000Hm und wurde hinter Ryan Sandes zweiter. Allerdings war dann die größte Herausforderung wieder der 3km Fußmarsch zurück zum Hotel entlang der Standpromenade…