IMG_2814Irgendwie hat es mich schon immer nach Nordeuropa gezogen, ganz besonders nach Norwegen, da hier die für mich immer schon herrliche Kombination Berg-Meer in den atemberaubenden Fjordlandschaften vollends verwirklicht ist. Außerdem ist das sog. “Jedermannsrecht” für Abenteuerurlauber zusätzlich eine Wildcard um die Natur in vollen Zügen zu genießen. Das besagt nämlich, dass man grundsätzlich überall übernachten darf sofern man sich nicht auf Privatgrund und mehr als 150m entfernt von Häusern oder Hütten aufhält und dort nicht länger als 2 Tage bleibt. Weiterhin darf man im Meer überall Fischen und nur wenige Flüße und Seen sind limitiert. Brillant also um die Tage vor dem Tromso Skyrace ein bisschen die Landschaften um Tromso zu erkunden.

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So ging es zusammen mit Markus Fink gleich nach der Landung am Flughafen zu unserem ersten “Campingplatz” mit absoluter Traum-Top-Lage auf Kvaloya, einer Halbinsel westlich von Tromso, das mit seinen 70.000 Einwohner eher zu dem Großstädten Norwegens zählt. Es ist schon gewöhnungsbedürftig wenn es Nachts wegen der nördlichen Breitenlage einfach nicht dunkel wird und gegen Mitternacht dann die Mitternachtssonne so wie am Tag scheint, besonders da man ja am Zelt nicht so einfach die Vorhänge zuziehen kann 😉 Aber sobald man liegt fallen einem nach einem erlebnisreichen Tag sowieso die Augen zu…

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Zum Glück habe ich das Mietauto für das Team (Danke Salomon! 🙂 ) schon gleich von Anfang an haben können und so konnten wir unseren ursprünglichen Plan alles per Pedes, Anhalter und Bus zu machen etwas modifizieren und sind einfach von dem schönsten Spot zu dem nächsten, noch Schöneren gefahren. Dort schnell die Laufschuhe an, Fotoapparat mitgenommen und einfach querfeldein, an der Küste oder den wenigen markierten Pfaden entlang. Sommeroy mit seinem Gipfel Hillesøy (etwa 250m), Coastaltrail bei Bensholmen, den Fischern bei Hela Zuschauen, Shoppen im Riesen-Mega-Outdoorcenter mit 3 Megastores die sich an Angeboten und Special Offers kaum überbieten konnten, erster Rentierstopp, und Einkauf von Mückenspray (boha, dieses Viehzeugs fällt wirklich in Schwärmen über einen her).

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Da unsere eigenen Fischereiversuche leider vergeblich waren und wir das schon fast vermutet hatten, gab es zum wiederholten Mitternächtlichen Snack “grilled sausage on fire” und eine Nacht am traumhaft gelegenen See in den Lyngen Alps mit eigenem kleinen Matterhorn.

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Tags drauf fuhren wir zum “Border Triangle” bzw. überquerten die Finnisch-Norwegische Grenze und starteten dann zu Fuß zum etwa 11km entfernt gelegenen Dreiländereck wo man Finnland-Norwegen-Schweden in weniger als 10sec “besuchen” konnte. Leider war das unserer erster Regentag, aber ich glaube das war unser Vorteil, weil sonst hätten uns die zahlreichen Moskitos wortwörtlich aufgefressen. Ich weis jetzt auch warum die tief mit Netzen verschleierten Trekker uns mit unseren kurzen Hosen und T-Shirts so schmunzelnd angeschaut haben…

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Zum Glück hatte Markus die glänzende Idee unsere Klamotten im Auto mittels Wäscheleine zu trockenen, so dass wir am nächsten Morgen dann hoffentlich wieder in trockene Schuhe steigen können. Über Oteren, Lyngen und Svensby ging es zurück Richtung Tromso wobei wir mit der Fähre quasi die Abkürzung über das Meer genommen haben. Camp 3 wurde dann kurz vor Mitternacht auf der Skyracestrecke kurz vor dem Aufstieg zum Hamperkokken gelegt und die Speicher mit “Pasta a’la PrimusGas e Tomato” aufgefüllt.

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Von da aus trennten sich unsere Wege und während ich mich zu dem bereits angekommen “Salomonis” gesellte, wanderte mein Schlafsacknachbar Marcus mit Zelt, Schlafsack und Verpflegung bepackt Richtung Start. Kaum im Hotel angekommen wollten Mira, Kilian, Lucy und Mick den Mittleren Teil der Strecke anschauen bzw. überprüfen ob die Markierungen durch den starken Wind der letzten Tage noch an ihren Plätzen waren. Hier möchte ich mich bei den beiden super Organisatoren Kilian und Emelie mit ihrem ganzen Orga-Team recht herzlich bedanken – super Event!!!

Die Strecke zum 1.404m hohen Hamperokken ist ein richtiges Highlight und quasi Skyrunning pur – etwa 5km geht es einen extrem schmalen Grat teils kletternd, teils laufend hinauf bis zum Gipfel, rechts und links pfeift es gerade runter, im Hintergrund das tiefblaue Wasser der Fjorde, Skifahren abwärts auf alten Schneeresten, extrem technische Downhills in loosem Geröll, lichte Birkenwälder mit fast schon kitschig grünem Laub und Trails, die es erst seit der ersten Rennauflage im letzten Jahr gibt.

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Am Freitag stand dann der Blamann Vertical Km auf dem Programm, bei dem ich als Zuschauer, Kleidertransporteur, Anfeuerer und Fotograf mit dabei war. Danke Flo für die nette Begleitung 🙂 Wieder extrem technisch mit Schneefeldern, Scrambling und seilversicherten Passagen war die Strecke (2,7km, 1.044m+) wieder sehr “skyrunningwürdig”. Pünktlich mit den ersten Läufern nach ca. 35min brach dann auch die Wolkendecke auf und die Sonne durchbrach den Hochnebel am Gipfel – grandios 🙂

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Leider behielt der Wetterbericht am Sonntag wirklich recht und während der beiden Rennen (Hamperokken Skyrace: 45km, 4.400m+ und Tromsdalstind SkyRace: 19km, 1.600m+) wechselten sich Regen, Nebel und Wind ab. Das machte dann die felsigen Passagen umso glatter und rutschiger und forderte permanente Konzentration. Schlagwörter des Rennens könnten so lauten:

Humaner Start 10:00 Uhr – 300 “Bonushöhenmeter” zum Start da Seilbahn so früh noch nicht fährt – Vollgas nach Startschuss – upupup – Gipfel Tromsdalstind (1.238m) – brutal steiler Donwhill – Knochenbrecher – Bachdurchquerungen (ahhhh, kalt) – Matschschlacht im Bikenwald – Verpflegung I nach 20km – Hamperokken – noch rutschigerer Grat – Warrior Song – “Hi Jordi, Salüüü Ian” (die beiden Fotografen) – Skifahren ohne adäquaten Auslauf – Blutflecken im Schnee – gogogo – wieder hinauf zum Tromsdalstind – Danke Remi fürs Anfeuern und die Fotos – Überholmanöver dank Stöcke – 4 Platz – Juhuuu – brutaler Downhill – bloß unter 7h bleiben – Saltosturz von mir – White-out im Nebel – einfach den orangen Fahnen nach – 5km, 300m+ ins Ziel – Betonbeine – Rücküberholung –  nur noch 752m laut GPS – 5. Platz – Zimtschnecke und Yogi-Tea – Geschafft 🙂

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Einfach ein mega starkes Rennen und genau das was mir liegt 🙂 Ich bin nach langer Verletzungspause wirklich super zufrieden, dass ich bei der zweiten Auflage mit am Start stehen durfte und sogar 5. geworden bin. Hoffentlich geht es jetzt wieder (und nur noch) Bergauf…

Ergebnisse und offizielle Rennhomepage hier.